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Die Geschichte der Asmodier:
 
 
 Ein Auszug aus dem Tagebuch des Asmodischen Kineas:
 
 "Als Erstes möchte ich das Zeitalter erwähnen, das vor meinen Lebzeiten existierte. Unsere Geschichten berichten von grünen Landstrichen und sattem Weideland, einer Welt, in der wir mit unseren Familien in Wohlstand und Glück lebten. Dieses Zeitalter existierte noch vor den Elyos und Asmodiern, als wir alle einfach nur als Menschen bekannt waren. Atreia war eins. Eine Gesamtheit. Als wir alle noch eins waren, gab es keine Trennung; weder zwischen unseren Welten noch zwischen unseren Völkern."
 
 
Einleitung:
 
Die Dinge waren nicht immer so. Es gab eine Zeit, in der die beiden Seiten dieser Welt eine

Einheit bildeten und wir wie Brüder und Schwestern lebten. Wir sahen gleich aus, teilten
dieselben Ideale und hatten das gemeinsame Ziel, den Turm zu schützen. Als sie versagten,
zerstörten sie alles. Unsere Welt und unser Volk wurden auseinandergerissen.

In der unteren Hälfte dieser Welt findet Ihr eine flache und doch verzauberte Existenz voller
Sünde, Gier, Völlerei, falschem Stolz und erdrückender Arroganz. Dort findet Ihr die Elyos, ein
Volk verachtungswürdiger Kreaturen, deren seelenlose Existenz von dem Ziel besessen ist, alles
Gute in dieser Welt zu vernichten. Lasst Euch nicht von ihrem reinen Aussehen täuschen - unter
ihrer hellen Haut verbirgt sich nichts als Dunkelheit.

Die obere Hälfte dieser Welt ist der Ort, den wir Asmodier unsere Heimat nennen. Nach der
Großen Katastrophe wurden wir in ein Dasein der Finsternis und der Ungewissheit gestoßen, das
uns keine andere Wahl ließ, als uns anzupassen. Jeden Tag lehrte diese Welt uns etwas Neues,
öffnete unsere Augen für Alternativen und gab uns die unerschütterliche Stärke, unser Leben
neu zu ordnen. Nur durch unsere Erfahrungen waren wir in der Lage, so viel zu erreichen - man
erhält schließlich nicht jeden Tag die Chance, von vorne anzufangen und seine Fehler zu
korrigieren.

Doch wartet, ich greife zu weit vor. Zunächst möchte ich mich Euch vorstellen: Mein Name ist
Kineas, und ich bin ein Daeva, ein Wesen, das während des Kampfes gegen die Balaur geschaffen
wurde. Zusammen mit meinem Volk habe ich alles daran gesetzt, zur Sicherung unseres
angestammten Platzes in Atreia beizutragen. Wir werden tun, was in unserer Macht steht, um
das zu schützen, was rechtmäßig uns gehört. Wenn den Elyos der Sinn nach Krieg steht, so
werden wir ihrem Wunsch entsprechen. Die Zeit des Friedens ist der Zeit der Vergeltung
gewichen.

Nach allem, was in unserer Welt geschehen ist, sehe ich es als meine Pflicht an, die
missverständlichen Ereignisse bis zum heutigen Tag ins rechte Licht zu rücken. Ich habe dieses
Tagebuch verfasst, um eine Chronik der Jahre, die zu der heutigen Situation geführt haben,
anzulegen. Vielleicht versteht Ihr ja durch sie, wie sich unsere Welt derart verändern konnte.

In diesem Sinne: Lest und lernt, was es bedeutet, ein Asmodier zu sein!

 

Kapitel 1: Eintracht

Als Erstes möchte ich das Zeitalter erwähnen, das vor meinen Lebzeiten existierte. Unsere
Geschichten berichten von grünen Landstrichen und sattem Weideland, einer Welt, in der wir
mit unseren Familien in Wohlstand und Glück lebten. Dieses Zeitalter existierte noch vor den
Elyos und Asmodiern, als wir alle einfach nur als Menschen bekannt waren. Atreia war eins.
Eine Gesamtheit. Als wir alle noch eins waren, gab es keine Trennung; weder zwischen unseren
Welten noch zwischen unseren Völkern.

So verging Jahr um Jahr und es scheint, als seien unsere Vorfahren glücklich und zufrieden
gewesen. Ich kann mir nicht helfen, aber der Gedanke daran, dass sie dieses Paradies, in dem sie
lebten, nicht würdigten und ihre Welt als selbstverständlich betrachteten, macht mich wütend.
Zu wissen, was seitdem vorgefallen ist, hilft uns, den Zusammenhang herzustellen, und
vielleicht können wir nur rückblickend verstehen und schätzen, was wir einst hatten. Vielleicht
ist sogar diese Wüste, die nun unsere Heimat ist, im Vergleich mit einem anderen Land ein
Paradies, obwohl ich mir kaum einen schlimmeren Ort als diesen hier vorzustellen vermag.

Bald sollte sich jedoch alles ändern. Wir hatten keine Ahnung, welche Gräuel Aion für uns
vorgesehen hatte, als unsere Welt im Begriff war, einen Albtraum zu erleben, der mit
grausamen Zähnen und unkontrollierbarer Blutrünstigkeit auf uns hereinbrechen sollte.

 

Kapitel 2: Eine gottlose Kreatur

Diese Albträume, die ich meine, das waren die Draken, und es waren grässlich anzusehende
Kreaturen. Gegen diese wuchtigen Geschöpfe mit ihrer schwer zu durchdringenden Haut
konnten unsere behelfsmäßigen Waffen nichts ausrichten. Und was noch schlimmer war, sie
konnten ihre Schwingen ausbreiten und sich urplötzlich in die Lüfte erheben, was unsere
magere Verteidigung in einem Wimpernschlag nutzlos machte. Unser Volk lernte schnell, sich
vor den Draken zu verbergen, und da sie keine natürlichen Feinde hatten, wurden sie
zunehmend dreister und nahmen auch zahlenmäßig zu. Es dauerte nicht lange, bis ihre dunklen
Silhouetten - von Aion geschaffen, um über unsere Welt zu herrschen - ein alltäglicher Anblick
im Himmel waren.

Ihre Gier nach Macht war unersättlich; ganze Arten starben aus, nachdem sie den wütenden
Angriffen der herabstürzenden Draken zum Opfer gefallen waren. Sie brachten lodernde
Flammen des Unheils mit sich und ließen nichts als verkohlte und verwüstete Landstriche
zurück. Schon bald nach dieser ersten Angriffswelle bewiesen diese Bestien ihre Intelligenz. Da
ihnen die kriegerischen Tendenzen der Krall und der Mau aufgefallen waren, vernichteten die
Draken diese nicht, sondern machten sich ihre verbleibenden Bestände untertan, indem sie sie
lediglich am Leben ließen, wenn sie ihren neuen Herren bedingungslose Treue schwuren. Etwa
um diese Zeit durchliefen die Draken eine Art Evolution; einige von ihnen wurden größer,
stärker und intelligenter als ihre Artgenossen. Diese Kreaturen wurden nicht mehr Draken,
sondern Drachen genannt, und fünf unter ihnen übernahmen das Kommando über die anderen.
Sie wurden als die Fünf Drachengebieter bekannt.

Die Fünf Drachengebieter, die nun erwacht waren, formierten sich schnell neu, indem sie ihre
Gesellschaft nach militär-ähnlichen Rängen organisierten. Sie beschlossen, ihr Volk von nun an
die “Balaur” zu nennen. Unter ihrem neuen Namen griffen diese Bestien um so heftiger an und
dezimierten die wenigen übrig gebliebenen Gruppen, die noch wagten, ihnen Widerstand zu
leisten.

Doch sie gaben sich noch immer nicht zufrieden und forderten auf ihrer Suche nach
mächtigeren Gegnern von Aion, dem Gott von Atreia, ihnen dieselbe Macht zu gewähren, wie
die, über die unser Schöpfer selbst verfügte. Als Aion sich weigerte, wandten sich die Balaur,
geblendet von Wut und angetrieben von Gier, gegen unseren Gott und sammelten ihre Truppen
zu einem Angriff auf den großen Turm der Ewigkeit.

 

Kapitel 3: Aufstieg

Aion wurde in die Enge getrieben und schuf zur Vergeltung zwölf Gestalten, die er die
empyrianischen Gebieter nannte. Die Schönheit und Stärke dieser Geschöpfe übertraf alles, was
wir je gesehen hatten, und wie die Balaur konnten sie sich mithilfe einer sonderbaren Substanz
namens Äther in die Lüfte erheben. Unser Glaube an unseren Gott und unsere Hingabe an Atreia
waren gewürdigt worden: Diese Geschöpfe waren unsere Abbilder und sie waren gekommen, um
die Welt zu retten, die so viele von uns mittlerweile als ihre Heimat betrachteten.

Der unausweichliche Kampf begann und entwickelte sich bald zu einem langen und blutigen
Krieg. Wir hatten Schutz am Turm gefunden, hinter dem Ätherschild, den unsere
empyrianischen Gebieter für uns erschaffen hatten. Der Schild war jedoch klein und das Land
außerhalb seines Schutzes wurde weiterhin von den Balaur kontrolliert. Außerhalb des
Ätherschildes wurden unsere empyrianischen Gebieter genau so geschwächt wie die Balaur in
seinem Inneren, und nachdem die Balaur dies erkannten, reihten sie unschuldige Geschöpfe
direkt vor ihm auf und metzelten sie in einem Versuch, unsere Gebieter hervorzulocken, nieder.
Sie waren grausame Kreaturen, und ihre Handlungen nährten nur unseren Hass auf sie.

Dies war die Zeit, die wir später den Millenniumskrieg nennen sollten, eine Zeit, in der die
Menschheit einmal mehr im Schutz der Schwingen unserer empyrianischen Gebieter aufblühen
durfte. Dies war außerdem die Zeit, in der ich geboren wurde, und als ich zu einem jungen Mann
herangewachsen war, entdeckte ich, dass der Äther, den Aion dieser Welt geschenkt hatte, eine
tiefgreifende Wirkung auf mich hatte. Der Äther reagierte auf mich und ich auf ihn, und bald
wurden auch andere, die unser Volk nur selten zu Gesicht bekam, auf meine Gabe aufmerksam.
Diese anderen, diese Daeva, wurden als Menschen geboren, besaßen jedoch eine angeborene
Fähigkeit, den Äther, den unsere empyrianischen Gebieter sich nutzbar machen, zu
manipulieren. Langsam aber sicher begann ich diese Fähigkeiten zu meistern, und wenn ich
anfangs nur die Luft, die mich umgab, abzukühlen vermochte, gelang es mir innerhalb weniger
Monate, Gegner festzufrieren und Feuerbälle herbeizubeschwören, mit denen ich die Balaur in
Flammen aufgehen ließ. Ich wurde wie ein Gott verehrt und jene, die mich einst großgezogen
hatten, stellten mich jetzt auf ein riesiges Podest. Das Gefühl, dass ich, der Sohn eines einfachen
Bauern, den Balaur Schmerzen zufügen konnte, war berauschend - ein Geschenk von Aion, für
das ich niemals auch nur hoffen konnte, mich zu revanchieren.

Bald war die Zahl der Daeva groß genug für unsere empyrianischen Gebieter, um eine
Streitmacht zu mobilisieren. Ich trat dieser Armee bei und stieg rasch in ihren Reihen auf, ließ
jedoch mein Kind, einen kleinen Jungen namens Phalaris, zurück.

 

Kapitel 4: Feigheit

Ich stieg weiterhin kontinuierlich im Rang auf. Meine Fertigkeiten als Zauberer übertrafen die
der meisten anderen Daeva, und noch bevor ein Jahr vergangen war, erhielt ich das Kommando
über eine ganze Legion. Die Kämpfe waren unerbittlich. Eines ums andere Mal drohten die
Balaur uns zu vernichten, doch die empyrianischen Gebieter hielten stets ihre schützende Hand

über uns. Mit unseren Fertigkeiten verbesserte sich auch unser taktisches Verhalten, bis es uns
schließlich gelang, ihre jüngeren und unbedachtsameren Drachen zu besiegen, vor denen wir
uns anfangs noch hinter unseren Ätherschild geflüchtet hatten. Es waren vorsichtige erste
Schritte, doch wie alle Eltern wissen, muss ein Kind erst krabbeln lernen, bevor es aufrecht
gehen kann.

Dann kam der Tag, der uns alle aus der Bahn warf.

Lord Israphel, einer der beiden Wächter des Turms der Ewigkeit, - Lord Israphel, der die
Drachengebieter hasste wie kein anderer, - verkündete, dass wir Frieden mit ihnen schließen
sollten. Seine Begründung war, dass wir nicht Krieg führten, um die Balaur zu vernichten. Wir
führten Krieg, um Aion zu beschützen.

Ich war verblüfft, dass einer unserer Retter so wankelmütig sein konnte, verblüfft, dass sein Mut
und seine Entschlossenheit ihm so ... so plötzlich abhanden gekommen waren. Unter den
empyrianischen Gebietern herrschte zunächst blanke Bestürzung. Zu diesem Zeitpunkt schien
selbst die Aussicht auf einen Frieden undenkbar ... und der Frieden selbst ein Ding der
Unmöglichkeit. Für uns alle bestand kein Zweifel: Israphels Vorschlag war absurd.

Und dennoch dauerte es nicht lange, bis sich zeigte, dass die schwächeren unter den Gebietern
dem Kampf von Anfang an nicht gewachsen waren und sich danach sehnten, von dieser
heroischen Verpflichtung entbunden zu werden. Lady Ariel war die erste, die kapitulierte. Mit
zuckersüßen Worten lobte sie Israphels Voraussicht, seine Weisheit, seine Tapferkeit - Tapferkeit!
- die er mit seinem Vorschlag bewiesen habe. Sie besaß die Unverschämtheit, uns, als Daeva,
vorzuschreiben, wie wir zu denken und zu handeln hätten.

Wie schnell sie und ihre Anhänger doch die tausend Jahre bitterster Opfer vergaßen. Wie
leichtfertig sie das von unserem Volk vergossene Blut ignorierten.

Doch einige der anderen Gebieter hatten ihren stählernen Kampfeswillen noch nicht verloren.
Als Daeva hatte ich einige unserer Gebieter persönlich kennen gelernt, und der, mit dem ich am
besten auskam, war der große und ehrwürdige Lord Asphel. Seine Entschlossenheit war
unbeirrbar, und bei seinen Missionen waren wir immer am erfolgreichsten gewesen. Sein Talent
und sein Gebahren dienten vielen von uns als Vorbild; und als Ariels erbärmliches Flehen
durchzudringen begann, bemerkte ich die Grimasse in Asphels Gesicht und wusste sofort, auf
welcher Seite ich stand. Er stand dagegen auf, und wir standen zu ihm. Er verurteilte Ariel
wegen der Verachtung, die sie unseren Märtyrern entgegengebracht hatte, und verurteilte ihre
Friedensanbahnung als törichte Zeitverschwendung.

In der Halle tobte der Aufruhr. Der Lärm klingt mir noch in den Ohren ... das Geschrei, die
Verwirrung, die hassvollen Anschuldigungen, die jede Seite der anderen entgegenschleuderte.
Ich beobachtete, wie Israphel mit leidenschaftlichen Worten auf Siel einredete, die ihm mit
ernster Miene zuhörte. Israphel behauptete, wir könnten Aion anstatt durch den andauernden
Krieg durch Friedensanstrengungen verteidigen. Zu meinem Entsetzen sah ich, wie Siel ihm
zunickte.

Um wengistens ein Mindestmaß an Eintracht zu bewahren, fassten wir den Beschluss, die große
Versammlungshalle zu räumen und die zwölf empyrianischen Gebieter ihren Verhandlungen zu
überlassen. Ich verließ den Ort zusammen mit meinen Kampfgefährten, die wie ich wußten, dass
Lord Asphels Sache die einzig gerechte war. Viele andere stahlen sich jedoch im Schutz der Nacht
davon, nachdem sie ebenfalls Gruppen gebildet hatten. Es zeichneten sich bereits zwei
verschiedene Lager ab, je nachdem, ob man sich den Standhaften oder den Schwächlingen
zurechnete.

Geduldig warteten wir auf den Ausgang jener Nacht. Ich erinnere mich noch genau; ich blickte
in die Ferne, sah die lodernden Flammen am Horizont und wusste genau, dass zwischen uns und
den Balaur nie Frieden herrschen würde. Ich dachte zurück an die Jahrzehnte unaufhörlichen
Kämpfens, ich sah die finsteren, seelen- und gnadenlosen Augen der Balaur vor mir, wie sie ohne
jegliches Zögern meine Freunde und meine Familie niedermetzelten, angetrieben von nichts als
einem bestialischen Streben nach Macht.

Ich wusste, Siel würde Israphels Vorschlag zurückweisen. Ich wusste, Asphel würde sich für seine
Sache, für unsere Sache stark machen, und die anderen würden schließlich Vernunft annehmen,
sogar Lady Ariel. Das wusste ich einfach; doch als die empyrianischen Gebieter schließlich
wieder hervorkamen, traf die getroffene Entscheidung mich bis ins Mark und ließ meine
gesamte Legion erschauern. Lady Siel hatte nachgegeben. Trotz all unserer Proteste hatten
Israphel und sie als Wächter des Turms die oberste Autorität über die Zwölf inne. Die
Entscheidung war unumstößlich. Wir würden mit den Balaur verhandeln. Schon hörte ich
Ariels triumphierende Stimme sich über das überraschte Gemurmel erheben und die albernen
Friedensgesänge ihrer fehlgeleiteten Anhänger erklingen.

Dann kam Asphel aus der Halle, die Wut stand ihm ins Gesicht geschrieben. Als er fortging, eilte
ich ihm nach, und eine beträchtliche Anzahl Daeva folgten uns.

 

Kapitel 5: Die große Katastrophe

Wenige Tage danach begann also die fehlgeleitete Friedenskonferenz. Als Zeichen der
Anerkennung gegenüber den fünf Drachengebietern wurde das ätherische Feld, das den Turm
umgab, gesenkt und die Drachengebieter zu den Verhandlungen ins Innere des riesigen
Gebäudes gebeten. Innerhalb weniger Minuten verrann ein gesamtes Leben. Ich sah meine
Legionäre an und erblickte in ihren Augen Argwohn und Zorn darüber, dass wir unsere
Überzeugungen über Bord geworfen hatten und jetzt mit diesen Bestien, die nach wie vor
unseren Tod wünschten, verhandelten. Ich wandte mich meinem zuverlässigsten Zenturion zu
und wollte gerade das Wort an ihn richten, als sich urplötzlich alles änderte. Wir vernahmen
Schreie, Aufruhr und Kampfgeräusche. Einer der Balaur lag am Boden und Lord Asphel stand in
Kampfpose über ihm, mit leuchtenden Augen.

Die Balaur griffen an. Aufgeregte Stimmen flehten Siel und Israphel an, das Ätherfeld wieder zu
aktivieren, doch einmal mehr versagten sie. Sie saßen mitten im Getümmel fest und waren
nicht dazu in der Lage, den Turm gemeinsam zu verteidigen. Unter dem Ansturm der Balaur
mit Klauen und Waffen zersplitterte und zerbrach der Turm.

Ich erinnere mich an die Schuld, die Israphel ins Gesicht geschrieben stand, als er Lord Asphel
und seine Daeva-Legionen nach Norden beorderte, während Siel Ariel und ihre Truppen nach
Süden führte. Uns blieb nur eine Hoffnung. Ihre Aufspaltung in zwei Gruppen - eine an jeder
Seite des Turms - war der Versuch der empyrianischen Gebieter, alles in ihrer Macht Stehende
zu unternehmen, um den Einsturz des Turmes zu verhindern.

Wir konnten uns halten. Den Truppen im Süden war dieses Glück nicht beschieden, wie wir jetzt
wissen.

Unsere Welt wurde unversehens in Dunkelheit gestürzt, als das Licht des Turms zum Erlöschen
kam. Vor Entsetzen schreiend stoben die Leute in alle Richtungen davon.

Ich kann mich noch daran erinnern, als wäre es gestern gewesen. Ich weiß noch, wie ich nach
oben blickte und Teile des Turms abbröckeln und nach unten fallen sah, nur vom flackernden
Licht des majestätischen Gebäudes beleuchtet. Ich stand wie angewurzelt da, als sich ein riesiges
Bruchstück aus dem Turm löste und auf mich zufiel. Ich erinnere mich noch gut an jenen Tag ...
an jenem Tag fand ich nämlich das andere Geschenk, das ein Daeva zu sein mit sich bringt:
Unsterblichkeit.

Als ich wieder zu mir kam und mich in unserer einst großartigen Welt umsah, fand ich Atreia in
zwei Hälften zerbrochen vor. Die untere Hälfe erstrahlte in grellem, leuchtendem Licht,
während unsere Hälfe in kalte, trostlose Finsternis getaucht war.

Die Friedenskonferenz war zu Ende.

 

Kapitel 6: Nachbeben

Ganz allmählich gewöhnten unsere Augen sich an die Umgebung und wir konnten gegenseitig unsere Umrisse ausmachen. Unser Volk war geschockt, am Boden zerstört; keiner wusste, wie wir überhaupt überlebt hatten. Ich wies die anderen an, ein Lager aufzuschlagen und sich warmhalten; dann brach ich auf in Richtung des schwelenden Stumpfes, der von unserem Turm übrig geblieben war.


Dort entdeckte ich, dass wir Glück im Unglück gehabt hatten: Die fünf empyrianischen Gebieter, die ausgesandt worden waren, um Aion vor dem Untergang zu bewahren, waren noch am Leben. Sie riefen uns alle zusammen, um zu verkünden, dass unsere Welt sich unwiederbringlich geändert hatte, und warum. Die fatalen Folgen des gescheiterten Friedensschlusses: Millionen der Unseren hatten ihr Leben gelassen, und Siel und Israphel, die beiden Wächter des Turms, hatten sich geopfert, um viele andere vor demselben Schicksal zu bewahren. Die beiden hatten einen schrecklichen Fehler begangen, doch ihr Tod war ehrenvoll gewesen, und wir gedachten ihrer in andächtiger Stille.


Bald darauf kehrte ich zu unserem provisorischen Lager zurück und half, ein riesiges Feuer zu entfachen, um weitere Überlebende herbeizurufen. In den nächsten Tagen fanden Tausende zu uns, schwer gezeichnet von den grauenvollen Geschehnissen, die ans Licht gekommen waren. Ich hatte das große Glück, meinen Sohn Phalaris unter den Überlebenden zu finden, doch sonst war niemand aus meinem Heimatdorf übrig geblieben.


Tage und Wochen vergingen. Es wurde klar, dass unsere Welt, die in ihren Grundfesten erschüttert worden war, sich stabilisiert hatte, und wir unser Schicksal wieder selbst in die Hand nehmen konnten. Aion schien uns jedoch verlassen zu haben, zusammen mit dem Äther, der mir meine Kraft verliehen hatte. Zum ersten Mal seit langer Zeit kam ich mir wieder angreifbar vor. Um mich nicht völlig der Angst zu überlassen, sprach ich mit Asphel und machte Pläne, um eine neue Heimat für uns alle zu gründen.

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750 lange Jahre vergingen, und in dieser Zeit veränderten sich unzählige Dinge. Bald ging uns das Brennholz aus, doch unsere Augen hatten sich bereits auf die eindringende Dunkelheit eingestellt. Wir erbauten unsere Siedlung, die wir Pandämonium nannten, und die schon bald zu einer großen Stadt heranwuchs. Ich sah, wie unser Volk wieder aufblühte und sich allen widrigen Umständen zum Trotz weiter entwickelte, stets unter der schützenden Herrschaft unserer Seraphengebieter.


Unsere Evolution vollzog sich auch äußerlich; angesichts der uns umgebenden Finsternis wurde unsere Haut blasser, und der unebene, von scharfkantigen Bruchstücken übersäte Boden ließ unsere Füße zu Klauen werden. Auch unsere Fingernägel wurden zunehmend krallenartiger, wie um zum Ausdruck zu bringen, dass keiner aus unserem Volk je wieder unbewaffnet sein würde. Ich tat mich zunächst schwer damit, diese Veränderungen hinzunehmen, doch da sie nun einmal offensichtlich überlebensnotwendig waren, hatten wir keine andere Wahl als uns damit abzufinden. Für uns waren sie der Preis für Israphels fehlgeleiteten Friedensversuch, den Ariel so leichtfertig und unbedacht unterstützt hatte.


In dieser Zeit erlebte ich auch, wie Phalaris alt wurde und starb, und danach seine Kinder und schließlich seine Kindeskinder. So ist das Leben der Daeva.

 

Kapitel 7: Vergeltung

Eines Tages trug sich dann etwas Seltsames zu. Die Splitter des großen Turmes, die sich in unsere weiche Erde gebohrt hatten, begannen plötzlich wieder zu leuchten, wurden kurz darauf aus dem Boden herausgezogen und erhoben sich in die Luft. Asphel schickte eine Einheit der Archonten aus, um das Phänomen zu untersuchen. Die Archonten waren unsere Elitetruppen und auch ich war ihnen zugeteilt worden.

Wir brachen sofort auf und stießen auf eine Art Portal, durch welches wir in eine Welt gelangten, die sich irgendwo zwischen Asmodae und der unteren Hälfte Atreias befand und die von in der Luft schwebenden Felssäulen erfüllt war. Den Äther, aus dem ich all meine Kraft bezogen hatte, gab es in dieser Welt im Überfluss; mit großer Erleichterung stellte ich fest, dass meine Fähigkeiten nichts von ihrer Wirkung eingebüßt hatten. Ich kehrte nach Pandämonium zurück und berichtete unseren Shedimgebietern, was wir gesehen hatten. Asphel stellte sofort weitere Archonten ab, um das Portal zu bewachen, und als ich nach dem Grund fragte, gab er keine Antwort, sondern richtete nur seinen Blick himmelwärts, auf die untere Hälfte Atreias.

Zwei Tage darauf, als wir gerade eine zweite Expedition durch das Portal planten, fiel uns auf, dass unsere in Morheim stationierten Wachen versäumt hatten, sich bei uns zu melden. Zikel, einer der Shedimgebieter und unser Gott der Zerstörung, brach mit mir selbst und den übrigen Archonten auf, um der Sache nachzugehen.

Wir waren noch nicht lange unterwegs, als wir auf eine Truppe von Kämpfern stießen, die behaupteten, aus der unteren Hälfte Atreias zu kommen, und sich uns mit gezogenen Waffen entgegenstellten. Sie sahen aus wie Engel, und obwohl sie nicht viele Worte machten, wurde sofort klar, dass sie uns anklagten. Sie gaben uns die Schuld für ein Verbrechen, das sie selbst begangen hatten! Nicht wir hatten die Drachengebieter wie einfältige Tölpel inmitten eines wütenden Krieges in unseren eigenen Turm eingeladen - sondern sie!

Zikel war außer sich vor Wut; er warf diese “Elyos” zu Boden und verlangte, dass sie Nezakan verfluchten, einen der empyrianischen Gebieter, der die erbärmliche Feigheit besessen hatte, sich dem Ruf nach einem Frieden mit den Balaur anzuschließen. Die Zeit, schleuderte Zikel ihnen entgegen, habe gezeigt, welche Seite die schuldige war. Waren die Elyos bereit, die Schuld ihrer Gebieter zuzugeben und sie für ihre Torheit zu verurteilen?

Ihr Anführer, ein Mann namens Deltras, lehnte dies jedoch rundheraus ab. Mit der verblendeten Arroganz, die wir heute als typischen Charakterzug der Elyos kennen, weigerte er sich, jegliche Schuld seiner eigenen Gebieter einzugestehen, und verfluchte stattdessen Zikel. Mit gezogenen Schwertern jagten wir auf die Feiglinge zu und machten sie nieder, wie sie es verdienten. Dennoch konnten einige wenige von ihnen entkommen; sie flohen in Richtung unserer Heimatstadt, wo sie in ihrer Wut unsere Frauen und Kinder abschlachteten, bevor wir sie endgültig erledigen konnten. Zwei von ihnen gelang es, in ihre Heimat zurück zu flüchten, schwer gezeichnet, doch noch am Leben. 

 

Kapitel 8: Ein neuer alter Feind

An jenem Tag kehrten wir nach Pandämonium zurück und sammelten unsere Truppen für den bevorstehenden Krieg gegen die Elyos. Schon am nächsten Tag sollten wir uns im Kampf erneut gegenüber stehen ... und dieser Tag markierte auch den Beginn des Krieges zwischen unseren beiden Völkern. Schon sehr bald sollten wir auf eine weitere Probe gestellt werden, diesmal in Gestalt der Balaur, die schon eine halbe Ewigkeit im Abyss in Verbannung verbracht, und nun einen Weg aus ihrem Gefängnis gefunden hatten. Das Leben im Exil hatte ihren Blutdurst nicht im Geringsten gemindert, und an der Seite ihrer alten Verbündeten würden nur die Törichten ihre Macht unterschätzen.

Die Elyos haben in ihrem Streben, sich selbst hinter dem Schleier ihrer vorgetäuschten moralischen Überlegenheit als makellose Vertreter des Lichtes neu zu definieren, tatsächlich nur eines bewirkt - sie haben die tiefen Wurzeln der Geschichte gekappt, die uns Asmodiern unsere Stärke verleiht. Sie versuchen, die Vergangenheit zu verdrängen und das Blut zu verleugnen, das in ihrem Namen von unseren gemeinsamen Ahnen vergossen wurde ... als wären sie historische Schandflecken.

Wir Asmodier werden unsere Geschichte in Ehren halten. Als wir uns in dieser tiefschwarzen Nacht - blutverschmiert aber mit ungebrochenem Willen - das erste Mal an den zerrütteten Ufern von Asmodae wiederfanden, suchten wir nach einer Losung, an der wir die Unseren erkennen konnten ... schließlich hatten wir unsere neue Gestalt noch nicht angenommen und sahen im Schein des Feuers viele fremde Gesichter.

‘Blut für Blut’, flüsterte es aus der Dunkelheit. Bis zum heutigen Tag weiß niemand, wer diese Worte damals sprach ... manche glauben, es sei Asphel gewesen, andere vermuteten Zikel, und einige glauben sogar, dass es Aion selbst war, das uns mit seinen letzten Atemzügen seinen Segen gab. All diese Fragen sind letzten Endes aber nebensächlich. Das einzige, was wirklich zählt, ist, dass diese Worte bereits zur blutroten Morgendämmerung des nächsten Tages in aller Munde waren.

Blut muss vergossen werden, um all jene zu rächen, die ihr Blut für uns vergossen haben. Und all diejenigen von uns, die mit dem Blut getauft wurden, die Loyalen, die Rechtschaffenen, die in den langen Nächten danach zusammenhielten, werden immer füreinander da sein. Das Flüstern aus der Dunkelheit fand seinen Wiederhall in den darauffolgenden Jahrhunderten, und wurde von Müttern an ihre Söhne, von Vätern an ihre Töchter, von Captains an ihre Soldaten und von Sippe an Sippe weitergegeben. Genau wie unser Blut selbst wärmt uns das Flüstern und stärkt uns für den Kampf.

Nun aber mussten wir etwas entdecken, das unserer Mission eine neue Dringlichkeit verleihen sollte. Mit jedem Atemzug verliert unser Planeten über unsere Atmosphäre einen Teil seines eigenen Blutes - den Äther. Wir verbrachten viele Monate mit der Suche nach der Ursache dieser Blutung, und durchkämmten dabei sowohl Asmodae als auch den Abyss - dabei hatten wir die Lösung des Rätsels ständig vor Augen.

Es waren die zwei Türme. Die Türme verbindet noch immer eine mächtige Resonanz, die unsichtbar zwischen den beiden Hälften unserer getrennten Welt existiert. Es ist fast so, als würden die Türme einander seit dem Verlust des großen Turmes der Ewigkeit rufen, um die entstandene Leere auf diese Weise zu überbrücken ... Und es ist der Hall ihrer Wehklagen selbst, der den Abyss erschaffen hat.

Der Abyss absorbiert den Äther und nimmt ihn in sich auf wie eine bodenlose Kluft, die das Wasser eines Sees verschlingt. Der Äther wird mit jedem weiteren Tag ein Stückchen dünner, und schon bald werden auch die Davea und unser Planet darunter leiden. Atreia wird bis zum heutigen Tag ausschließlich von einer ätherischen Verbindung zusammengehalten, die Siel und Israphel errichteten, als sie den Äther ihrer eigenen sphärischen Körper freigaben und dadurch ihrer eigenen Existenz ein Ende setzten. Der Abyss wird diese Verbindungen schon sehr bald schwächen, und sollten die letzten Stränge tatsächlich reißen, würde unsere Atmosphäre zusammenbrechen und alles auf diesem Planeten verderben.

In Anbetracht dieser Situation kann es nur eine taktische Vorgehensweise geben: Die Resonanz wird verstummen, sobald einer der beiden Türme nicht mehr existiert. Unser Ziel ist damit klar - wir müssen den Turm des Lichts zerstören. Nur dann werden wir diese Blutung dämmen und das Leben des asmodischen Volkes vor der arroganten Tyrannei der Elyos bewahren können.

Diesmal werden wir keine Minute zögern. Unsere Schwerter werden nicht mehr schweigen. Stattdessen werden wir eine brutale und überwältigende Welle der Zerstörung entfesseln, die uns für immer von diesen arroganten und naiven Narren befreien wird, die noch immer unser Land bevölkern.

Unser Schicksal wird wieder in unseren eigenen Händen liegen. Blut für Blut, so lautet unser Leitsatz, dessen wahre Bedeutung wir klarer als je zuvor erkennen. Das Leben hat uns nichts geschenkt, doch unsere gemeinsamen Entbehrungen und die vielen harten Überlebenskämpfe haben uns zusammengeschweißt ... niemand wird uns aufhalten ... niemand wird uns bezwingen. Dieses Mal werden wir nicht versagen.

 

Quelle: